thomas-wodny.de KW 28 · 2026
KI-Wochenbericht · Künstliche Intelligenz

Zwei Spitzenmodelle in 48 Stunden.

Grok 4.5 und GPT-5.6 landeten fast zeitgleich — doch der eigentliche Wettlauf dreht sich nicht mehr um den Benchmark, sondern um Token-Effizienz. Anthropic konterte ganz ohne neues Modell.

6.–12. Juli 2026 6 Hersteller 8 Meldungen
53,6
GPT-5.6 Sol auf Agents' Last Exam — 13,1 Punkte vor Claude Fable 5
4,2×
weniger Output-Token pro Coding-Task: Grok 4.5 (15.954) vs. Opus 4.8 (67.020)
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der Kosten — laut OpenAI schlagen Terra & Luna Fable 5 zu einem Sechzehntel

Der Benchmark ist nicht mehr die ganze Geschichte. In 48 Stunden schickten xAI und OpenAI zwei neue Frontier-Modelle ins Rennen — und beide werben mit derselben Botschaft: nicht nur klüger, sondern günstiger pro erledigter Aufgabe. Der Preis pro Token ist zur halben Wahrheit geworden.

OpenAI

Launch GPT-5.6-Familie: Sol, Terra, Luna — 9. Juli

OpenAI bringt drei Varianten in die allgemeine Verfügbarkeit: Sol (stärkste), Terra (Alltag) und Luna (schnell/günstig). Preise pro Mio. Token (In/Out): Luna 1 $/6 $, Terra 2,50 $/15 $, Sol 5 $/30 $. Auf Agents' Last Exam (55 Berufsfelder) setzt Sol mit 53,6 die neue Bestmarke — 13,1 Punkte vor Claude Fable 5. Laut OpenAI schlagen Terra und Luna Fable 5 zu rund einem Sechzehntel der Kosten.

Gegenpol Auf SWE-Bench Pro liegt Fable 5 klar vorn

Nicht überall führt OpenAI: Auf SWE-Bench Pro erreicht Claude Fable 5 80 %, GPT-5.6 Sol nur 64,6 %. OpenAIs Antwort ist keine bessere Zahl, sondern eine Benchmark-Kritik — geschätzt ~30 % der SWE-Bench-Pro-Aufgaben seien „kaputt". Wer Modelle einkauft, sollte Benchmarks künftig genauso hinterfragen wie die Modelle selbst.

Produkte ChatGPT Work & GPT-Live

ChatGPT Work (auf GPT-5.6) zieht Kontext aus Team-Tools zusammen und macht aus Notizen fertige Arbeitsergebnisse. Bereits am 8. Juli startete GPT-Live: eine neue Sprachmodell-Generation mit Full-Duplex — hört und spricht gleichzeitig, ersetzt die bisherige ChatGPT-Voice.

xAI · Grok

Launch Grok 4.5 — „Opus-Klasse", aber sparsamer (8. Juli)

xAIs neues Flaggschiff (1,5-Bio.-Parameter-Basis V9, zusammen mit Cursor trainiert) kostet 2 $ In / 6 $ Out pro Mio. Token. Der eigentliche Verkaufsvorteil ist die Effizienz: Auf SWE-Bench Pro löst Grok 4.5 Aufgaben mit im Schnitt 15.954 Output-Token — Opus 4.8 braucht 67.020, Faktor 4,2. Musks Einordnung: grob Opus-4.7-Niveau, aber deutlich schneller.

Benchmarks Gemischtes Bild statt klarem Sieg

Grok 4.5 schlägt Opus 4.8 auf DeepSWE 1.0 und Terminal-Bench 2.1, verliert aber auf DeepSWE 1.1 und SWE-Bench Pro. Kein Modell dominiert — die Wahl hängt zunehmend vom konkreten Task und den Kosten pro Lösung ab, nicht von einer einzelnen Rangliste.

Anthropic

Feature Reflect — ein Dashboard, das zum Weniger-Nutzen anstupst (9. Juli)

Statt neuem Modell zeigt Reflect, wie viel Zeit man mit Claude verbringt — Themen, aktivster Tag, Peak-Stunde, Zeiträume 1/3/6/12 Monate. Verfügbar auf Free, Pro, Max bei aktiviertem Memory. Datenschutz: ignoriert Incognito-Chats, zieht keine Ursprungsdateien, klammert Health-Integrationen aus.

Kritik „Quietly selling you on AI"

TechCrunch liest Reflect gegen den Strich: Ein Tool, das einem vor Augen führt, wie unverzichtbar Claude im Alltag geworden ist, erhöht den psychologischen Wechsel-Aufwand. Ein Selbstkontroll-Feature wird so zum Lock-in-Mechanismus. Parallel zieht Claude Cowork in die Cloud — geräteübergreifend, läuft auch offline weiter.

Google · DeepMind

Verschoben Gemini 3.5 Pro erst am 17. Juli — wegen Token-Verbrauch

Google verschiebt Gemini 3.5 Pro und baut die Architektur komplett neu — statt auf 2.5-Pro-Basis. Der genannte Grund passt zum Thema der Woche: Enterprise-Tester klagten über übermäßigen Token-Verbrauch bei langen agentischen Aufgaben. Geplant sind ein 2-Mio.-Token-Kontext und ein „Deep Think Reasoning Layer" als Konter gegen GPT-5.6 und Fable 5.

Meta

Produkt Arena — Llama entscheidet, was wahr ist

Metas Prediction-Market-App Arena lässt Llama Fragen generieren, personalisierte Märkte empfehlen und Märkte in Nahe-Echtzeit selbst auflösen. Das ist ein bewusster Bruch mit Kalshi und Polymarket, die auf Human-Dispute-Windows und Oracle-Netze setzen — und ein Vertrauensvorschuss an ein Modell, das über Fakten urteilt.

Mistral

Neu Robostral Navigate — Einstieg in die Robotik

Mistral betritt das Robotik-Feld — bewusst minimalistisch: eine RGB-Kamera, kein LiDAR, ausgelegt auf Massen-Deployment. Damit tritt der französische Anbieter gegen DeepMind und NVIDIA an und setzt wie so oft auf den günstigeren, schlankeren Ansatz.

Einordnung · Controller-Perspektive

Der Preis pro Token auf der Website ist nur die halbe Kostenwahrheit.

Die andere Hälfte ist, wie viele Token ein Modell pro Aufgabe verbrennt. Grok löst eine Coding-Aufgabe mit rund 16.000 Output-Token, wo Opus etwa 67.000 braucht — bei 6 $ je Mio. Output ein 4×-Kostenhebel, der auf keiner Preisseite steht. Dass sogar Google seine Gemini-3.5-Verschiebung mit „zu hohem Token-Verbrauch" begründet, zeigt: Wer KI-Kosten steuert, misst künftig Token-pro-Task, nicht Preis-pro-Token.