thomas-wodny.de KW 33 · 2026
KI-Wochenbericht · Künstliche Intelligenz

Eine Maschine löst Mathe, an der wir jahrzehntelang scheiterten.

OpenAIs unveröffentlichtes Modell Astra knackt zehn offene Probleme für rund 2.000 Dollar Rechenzeit. Meta drückt derweil ein Agenten-Modell auf eine einzige Grafikkarte, und Anthropic kassiert die eigene Preiserhöhung wieder ein.

5.–12. August 2026 5 Hersteller 10 Meldungen
~2.000 $
Rechenzeit - so viel kostete Astra das Lösen von zehn offenen Mathe-Problemen
30 Mrd.
Parameter - Metas Muse Glimmer läuft auf einer einzigen 24-GB-Consumer-GPU
2 / 10 $
pro Mio. Token bleibt - Anthropic streicht die geplante Erhöhung auf 3 / 15 $

Die Schere zwischen Spitze und Breite öffnet sich - in beide Richtungen zugleich. OpenAI treibt die Forschungsfront so weit, dass eine Maschine jahrzehntealte Mathematik knackt. Meta stellt gleichzeitig ein brauchbares Agenten-Modell frei zum Download auf einen einzelnen Rechner. Und Anthropic macht seinen Kampfpreis dauerhaft. Nutzen pro Euro steigt an beiden Enden.

OpenAI · Astra

Forschung Astra löst zehn offene Mathe-Probleme - 1. August

OpenAI veröffentlicht zehn Fortschritte aus Mathematik und theoretischer Informatik, erzeugt vom noch unveröffentlichten Modell Astra. Jedes Problem war seit mindestens zehn Jahren ungelöst - darunter die Konstruktion einer nicht-sofischen Gruppe, eine Frage, die Michail Gromow 1999 aufwarf. Alle Beweise sind in Lean 4 formalisiert und maschinell nachprüfbar (auf GitHub, Apache 2.0, „sorry"-Count = 0).

Einordnung 2.000 Dollar Rechenzeit - aber kein Peer Review

Die Tokens für alle zehn Lösungen hätten zu Sols API-Preisen rund 2.000 Dollar gekostet. Ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das mit menschlicher Spitzenforschung nicht vergleichbar ist. Aber: keine Peer Review, kein Release-Datum, keine Preise. Menschliche Forscher haben die Argumente nachträglich zu Papern ausgearbeitet.

Meta · Muse Glimmer

Open Weight 30B-Agenten-Modell für den eigenen Rechner - 10. August

Meta Superintelligence Labs veröffentlicht Muse Glimmer: ein agentenfähiges Modell mit 30 Mrd. Parametern unter Apache-2.0-Lizenz, frei auf Hugging Face. Durch 4-Bit-Quantisierung passt es unter 20 GB und läuft auf einer einzigen Consumer-GPU (24 GB, z.B. RTX 5090 oder MacBook M4-/M5-Max). Speculative Decoding beschleunigt 1,5- bis 3,1-fach.

Lokal Tool-Nutzung, Coding, Multimodal - ohne Cloud

Gebaut für End-to-End-Agentic-Tasks (SWE-Bench, DeepSearch QA): zuverlässige Tool-Nutzung, Fehlerdiagnose und -recovery, multimodal (Text + Bild), 100+ Sprachen. Kein Token verlässt den Rechner. Zuckerberg fordert niedrigere US-Hürden für Open-Weight-KI und kündigt „noch größere Modelle" an.

Anthropic

Pricing Sonnet-5-Kampfpreis wird dauerhaft - 11. August

Anthropic macht den Einführungspreis von Claude Sonnet 5 dauerhaft: 2 $ Input / 10 $ Output je Mio. Token. Die zum 1. September geplante Erhöhung auf 3 $ / 15 $ (+50 % Input) ist damit gestrichen - genau die Anhebung, die vergangene Woche noch angekündigt war. Selten macht ein Anbieter eine Preiserhöhung wieder rückgängig.

Voice Voice Mode jetzt auf Opus und Sonnet

Der Voice Mode läuft neuerdings auf Opus, Sonnet und Haiku (vorher nur Haiku) und erreicht verbundene Tools wie Gmail und Slack. Sprachsteuerung trifft damit auf die stärkeren Modelle.

Google · DeepMind

Umbau Hassabis wird Chairman - Gemini 3.5 Pro Monate hinter Plan

Demis Hassabis zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück (Chairman DeepMind + Chief Scientist Alphabet); Koray Kavukcuoglu übernimmt operativ, AI-Studio- und Gemini-API-Teams wandern in DeepMind. Berichtet: Gemini 3.5 Pro Monate hinter Plan, Rückschläge bei den Flash-Modellen. Der Fokus schwenkt auf Gemini 4.

Robotik Gemini Robotics ER 2

Neues Embodied-Reasoning-Modell mit Video-Verständnis, Multi-Step-Orchestrierung und Multi-Roboter-Kollaboration. Die Modelle verlassen weiter den Chat.

xAI · Grok

Takt Grok Bot Beta, Voice 2.0 und Grok 4.6 in Sicht

Am 5. August ging grok-voice-think-fast-2.0 (Speech-to-Speech) live, am 11. August startete die Public Beta von Grok Bot. Grok 4.6 ist laut Musk „nächste Woche" fällig - Grok 4.5 kam erst im Juli (500K-Kontext, ~2 $/6 $ je Mio. Token). Der Update-Takt bei xAI bleibt hoch.

Einordnung · Controller-Perspektive

Zwei Bewegungen in dieselbe Richtung, von entgegengesetzten Enden: die Spitze wird teurer erforscht, der Alltag wird günstiger nutzbar.

OpenAI schiebt mit Astra die Forschungsfront so weit nach vorn, dass eine Maschine jahrzehntealte Mathematik knackt - für den Gegenwert eines Gebrauchtwagens an Rechenzeit. Meta drückt gleichzeitig ein brauchbares Agenten-Modell auf eine einzige Grafikkarte, ohne Cloud, ohne laufende Token-Rechnung. Und Anthropic nimmt die eigene Preiserhöhung zurück, bevor sie greift. Für die Kostenseite heißt das: lokale Modelle machen aus variablen Cloud-Kosten planbare Fixkosten. Wer KI budgetiert, sollte „läuft es auch auf eigener Hardware?" inzwischen als ernste Frage behandeln.