thomas-wodny.de KW 35 · 2026
KI-Wochenbericht · Künstliche Intelligenz

Die Preise fallen schneller, als das Vertrauen steigt.

Sechs Tage nach der DeepSeek-Preiserhöhung senkt OpenAI um über zwanzig Prozent, befristet. Anthropic schaltet seinen Agenten-Stack scharf. Und die erste belastbare Zahl zum Nutzen steht ausgerechnet in einer Kundenreferenz.

Berichtswoche 17.–23. August 2026 5 Hersteller 7 Meldungen
4 / 20 $
GPT-5.6 Sol je Mio. Token (In/Out) statt 5/30 $, befristet auf drei Monate
32 → 13
Minuten je Schadensfall-Workflow bei Asteroid mit dem neuen Computer-Use-Tool
52 %
der Amerikaner eher besorgt als begeistert über KI im Alltag, 2021 waren es 37 %

Der Preiskampf hat die Frontier erreicht. Am Montag verteuerte DeepSeek seine API um bis zu 1.100 Prozent, am Freitag senkt OpenAI den Preis seines Spitzenmodells um über zwanzig Prozent. Beides ist dieselbe Bewegung: Der Preis pro Token ist keine Konstante mehr, sondern ein Kampfmittel mit Verfallsdatum. Parallel liefert Anthropic den ersten Agenten-Fall dieser Woche, der sich wirklich rechnen lässt.

OpenAI

Pricing GPT-5.6 Sol über 20 % günstiger, für drei Monate

Seit dem 21. August kostet GPT-5.6 Sol in der API 4 statt 5 Dollar je Mio. Input-Token und 20 statt 30 Dollar im Output (Standard-Kurzkontext). Die Senkung ist als promotional bis mindestens 21. November 2026 ausgewiesen, danach greift wieder die alte Liste. Sie zieht sich durch bis in die Credits von ChatGPT Work und Codex. Nicht betroffen: Pro-, Plus- und Business-Abos. Es ist bereits die zweite Welle, im Juli traf es die kleineren Modelle Terra und Luna. Als Grund nennt OpenAI selbst den Wettbewerbsdruck durch Anthropic und chinesische Anbieter.

Produkt ChatGPT für Jugendliche

Für 13- bis 17-Jährige gibt es seit dem 18. August eine eigene ChatGPT-Variante mit zusätzlichen Schutzmechanismen und Elternkontrolle. Regulatorisch getrieben, produktseitig überfällig.

Anthropic

GA Computer Use, Browser Use, Skills API und Files API, 20. August

Der Agenten-Stack der Claude-Plattform ist allgemein verfügbar. Computer Use steuert Software über den Bildschirm und beherrscht jetzt mehrere Aktionen pro Turn, das neue Browser-Use-Tool liest zusätzlich die Seitenstruktur und trifft damit Felder statt Pixelkoordinaten. Die Skills API macht wiederverwendbare Arbeitsanweisungen versionierbar, die Files API bekommt automatische Löschfristen, 1 TB Speicher je Organisation und fünffach höhere Rate Limits. Computer Use ist zudem HIPAA-BAA-fähig. Skills und Files laufen auch über Microsoft Foundry, Vertex AI folgt.

Zahlen Der erste Agenten-Case mit belastbarer Rechnung

Interessanter als die Ankündigung ist die Kundenreferenz darin. Der Anbieter Asteroid, der in Gesundheits- und Versicherungssystemen ohne API arbeitet, meldet für seinen längsten Schadensfall-Workflow einen Rückgang von 32 auf 13 Minuten und rund 30 Prozent geringere Kosten je Vorgang. Das ist keine Benchmark-Prozentzahl, sondern eine Durchlaufzeit. Genau diese Sorte Zahl fehlt in den meisten Agenten-Ankündigungen.

xAI · Grok

Verfügbarkeit Grok Bot verlässt den Premium-Käfig

Seit dem 21. August ist Grok Bot auch in SuperGrok Plus, Cursor Pro+ und allen Cursor-Teams-Plänen enthalten, dazu ein begrenzter Gratis-Test für alle übrigen Nutzer. Beim Start am 11. August war das Produkt auf SuperGrok Heavy, Cursor Ultra und Teams Premium beschränkt. Jeder Bot bekommt eine eigene dauerhafte Cloud-Maschine mit Browser, Dateisystem und Terminal, meldet sich mit den Zugangsdaten des Nutzers an und arbeitet mehrstufige Aufgaben ab, bis eine Freigabe nötig wird.

Google · Workspace

Ablösung „Ask Gemini“ ersetzt die Seitenleiste in Google Chat

Ab 26. August ersetzt Ask Gemini die bisherige Gemini-Seitenleiste in Google Chat, erreichbar über Strg + G. Es greift auf Gmail, Drive und Kalender zu, entwirft Nachrichten, erzeugt Bilder und verwaltet Aufgaben. Der Haken für Bestandsnutzer: Der bisherige Verlauf der Seitenleiste wandert nicht mit und muss bei Bedarf über Google Takeout gesichert werden. Start zunächst nur für englischsprachige Konten, erhöhte Nutzungslimits bis 1. Oktober.

Branche

Akzeptanz 52 Prozent besorgt, Amodei nennt es eine Vertrauenskrise

Laut einer Pew-Erhebung sind 52 Prozent der Amerikaner eher besorgt als begeistert über zunehmende KI-Nutzung im Alltag, 2021 waren es 37 Prozent. Anthropic-CEO Dario Amodei bezeichnet die Wahrnehmung als großes Problem und „crisis of trust“ und räumt ein, dass die Branche ihre großen Versprechen bisher nicht eingelöst hat: „That is totally on us“. Während die Anbieter über Token-Preise streiten, verliert das Produkt an der Basis Zustimmung.

Einordnung · Controller-Perspektive

Diese Woche liefert beides: den Beweis, dass Modellpreise verhandelbar geworden sind, und den ersten Fall, in dem ein Agent eine Durchlaufzeit halbiert.

Der Rabatt von OpenAI ist kein Geschenk, sondern eine Kampagne mit Enddatum. Wer jetzt kalkuliert, rechnet mit 5 und 30 Dollar weiter und behandelt die Ersparnis bis 21. November als Sondereffekt, nicht als neue Basis. Umgekehrt taugt die Zahl von Asteroid als Vorlage für den eigenen Business Case: nicht Benchmark-Punkte, sondern Minuten je Vorgang und Kosten je Fall. Und die Pew-Zahl gehört auf dieselbe Folie. Ein Automatisierungsprojekt, das intern niemand mitträgt, scheitert nicht am Modellpreis.