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KI-Wochenbericht · Künstliche Intelligenz

Gratis wird neu verhandelt.

Anthropic macht sein kleinstes Modell 90 Prozent günstiger, OpenAI stellt GPT-6 für alle frei - und Google nimmt seinen Gratis-Nutzern die guten Modelle weg. Eine Woche, zwei Richtungen.

5.–11. Oktober 2026 4 Hersteller 4 Kernmeldungen
90 %
günstiger pro Token: Claude Haiku 5.5 bei Prompts bis 100K (0,10 $ statt 1 $ Input)
GPT-6
ab dieser Woche Standard in ChatGPT - auch im kostenlosen Tarif
Flash-Lite
mehr bleibt Gemini-Gratisnutzern ab dem 9. Oktober nicht

Dieselbe Woche, zwei gegensätzliche Preis-Signale. Anthropic und OpenAI drücken die Kosten für Spitzenleistung nach unten - billiger im Volumen, gratis in der Breite. Google zieht in die andere Richtung und sortiert seine besten Modelle hinter die Bezahlschranke. Die Frage für die Praxis ist nicht mehr nur „welches Modell", sondern „was kostet es ab wann".

Anthropic

Launch Claude Haiku 5.5 - 7. Oktober

Anthropic veröffentlicht sein nach eigener Angabe schnellstes und günstigstes Small-Modell für High-Volume-Arbeit wie Zusammenfassungen, Subagenten und Browser-Use. Bei Prompts bis 100.000 Tokens kostet eine Million Tokens nur noch 0,10 $ Input und 0,50 $ Output - gegenüber 1 $ / 5 $ bei Haiku 4.5 ein Schnitt von 90 Prozent pro Token. Über 100K steigt der Tarif auf das Fünffache (0,50 $ / 2,50 $). Im Durchschnitt beziffert Anthropic die Betriebskosten auf rund 75 Prozent unter Haiku 4.5.

Neu Erstes Haiku mit Effort-Level - und starke Agenten-Benchmarks

Haiku 5.5 ist das erste Haiku mit einstellbarem Effort-Setting (Low bis Max), dazu 1 Mio. Tokens Kontext und 128K Output. Bei maximalem Effort erreicht es 64,8 % auf SWE-bench Pro und 83,7 % auf SWE-bench Multilingual. Laut System Card ist es das robusteste Haiku gegen Prompt-Injection. Achtung für Entwickler: Code für Haiku 4.5 kann wegen des neuen Tokenizers brechen.

Pricing Nebenbei: Sonnet-5.5-Cache halbiert

Am selben Tag senkt Anthropic den Cache-Read-Preis von Sonnet 5.5 von 0,20 $ auf 0,10 $ pro Mio. Tokens. Für Pipelines mit viel wiederverwendetem Kontext ist das eine stille, aber spürbare Entlastung.

OpenAI

Rollout GPT-6 wird Standard in ChatGPT - für alle

Seit dem 7. Oktober ist GPT-6 die Standardwahl in ChatGPT: Plus, Pro, Business und Enterprise bekommen GPT-6 Sol, Free und Go ab dem 8. Oktober GPT-6 Luna. GPT-6 ersetzt die „Latest"-Option im Model-Picker. Einzige veröffentlichte Leistungszahl: GPT-6 Instant liefert Websuche-Antworten im Schnitt 44 % schneller als GPT-5.6 Instant. Codex und ChatGPT Work bleiben vorerst auf den September-Versionen.

UI „Intelligent UI" - Antworten, die mehr können als Text

Mit GPT-6 kommt eine neue Oberfläche: Antworten mischen Text mit Charts, Buttons, Formularen und Mini-Tools wie Rechnern oder Karten, wenn das Modell dieses Format für klarer hält. Reine Textantworten bleiben möglich, die Menge an Visuellem lässt sich reduzieren. Weg vom Chatfenster, hin zur zusammengesetzten Antwort.

Google · DeepMind

Zugang Gemini verknappt den Gratis-Zugang - ab 9. Oktober

Google ändert, welche Gemini-Modelle persönliche Konten je nach Abo erreichen. Gratis-Nutzer sehen in der Gemini-App ab dem 9. Oktober nur noch Flash-Lite - Flash und Gemini Pro fallen weg. Selbst Google AI Plus (4,99 $/Monat) verliert Gemini Pro und behält nur Flash-Lite und Flash. Erst AI Pro (19,99 $/Monat) und Ultra behalten alle drei Modelle, AI Pro bekommt zusätzlich Deep Think. Betroffen sind nur private Konten.

Meta

Kontext Kein Release - Meta im Wettlauf gegen die Uhr

Aus den Superintelligence Labs kam in dieser Woche kein neues Modell. Berichte beschreiben Meta weiter im Wettlauf, 2026 noch ein neues Llama-Modell zu veröffentlichen; Zuckerberg spricht von „sehr nah" an deutlich stärkeren Modellen. Belastbare Zahlen oder ein Termin fehlen - hier nur zur Einordnung.

Einordnung · Controller-Perspektive

Diese Woche ging es nicht um den höchsten Benchmark, sondern um den Preis von Zugang.

Anthropic und OpenAI machen Leistung billiger und breiter verfügbar, Google dreht die Gratis-Schraube in die Gegenrichtung. Für die Praxis heißt das: Das beste Modell zu kennen reicht nicht - man muss wissen, was es morgen kostet und wer es dann noch bekommt. Wer Workflows auf ein „kostenloses" Modell stützt, sollte dieser Woche zwei Dinge tun: die realen Token-Kosten der günstigeren Klasse durchrechnen und prüfen, ob der Gratis-Zugang nächsten Monat überhaupt noch dasselbe Modell liefert.